sakraler Nachhall

sakraler Nachhall

Kumo Taro

Diese Fotoserie spürt der Präsenz und der Kraft des Klangs in sakralen Räumen nach. Im Mittelpunkt stehen Kirchenglocken. Gewaltige Klangkörper, geschaffen, um Ehrfurcht zu wecken. Als stumme Metallmonolithe erscheinen sie hier in ihrer Ruhe, eingefasst in stählerne Gerüste. Ein Innehalten. Ein Warten.

Auch die stillen Details im Inneren der Glockentürme finden Beachtung: eine einzelne vergessene Taubenfeder, ein Sonnenstrahl, der sich durch das Dunkel schneidet. Solche zarten Momente stehen im Kontrast zur massiven Kälte des Metalls und bringen die Spannung zwischen Stille und Klang zum Ausdruck.

Glocken erklingen nur zu bestimmten, auserwählten Zeiten. Dann durchdringen ihre Stimmen den Raum, sprengen die Grenzen der Architektur und tragen das Sakrale hinaus in die Welt. Diese Fotografien geben Zeugnis von diesem Potenzial. Einer unsichtbaren Kraft, gebannt in der Stille, stets bereit, zu erschallen.

a bag full of stones

a bag full of stones

Flora Wechselberger

Diese Fotoserie beschäftigt sich mit dem Erleben von queeren und FLINTA*-Personen in öffentlichen Räumen. Es geht um Sichtbarkeit, Verletzlichkeit und um die ständige Frage: Bin ich hier sicher?

Was bedeutet es, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, wenn schon die eigene Existenz als Provokation gelesen wird? Warum müssen wir uns schützen, nur weil wir da sind? In einer Zeit, in der queere und feministische Rechte erneut infrage gestellt werden, politisch, gesellschaftlich und medial, zeigt sich: Die Freiheit, einfach zu existieren, ist keine Selbstverständlichkeit.

Für viele von uns sind öffentliche Räume nicht neutral. Sie sind Orte des Aushandelns, der Vorsicht, der Angst. Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, werden schnell zur Projektionsfläche. Für Blicke. Für Kommentare. Für Gewalt.

Es ist eine absurde Realität, dass wir uns überhaupt verteidigen müssen, nicht gegen eine konkrete Bedrohung, sondern gegen alltägliche Präsenz. Alltagsgegenstände werden so zu Symbolen des Selbstschutzes. Sie stehen für eine Welt, in der Sicherheit nicht garantiert wird, sondern selbst organisiert werden muss.

Die bewusste Entscheidung, sich zu zeigen, ist nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Form der Selbstermächtigung. Diese Serie will sichtbar machen, dass wir nicht verschwinden, sondern da sind, und bleiben.

Gottlose Göttlichkeit

Gottlose Göttlichkeit

Kiran Chayew Dahlmanns

Diese fotografische Serie verdichtet flüchtige Zustände kollektiver Ekstase, aufgenommen im KitKat, einem Raum radikaler Selbstentgrenzung und somatischer Inszenierung.

Die Bilder operieren an der Schnittstelle von Körperpolitik, clubkulturellem Mythos und postidentitärer Ästhetik. Unschärfe trifft auf Imagination. Das Sichtbare entzieht sich, während Begehren Transformation und Maskerade sedimentiert werden.

Körper erscheinen nicht als stabile Subjekte, sondern als flüchtige Choreografien. Verknotet, entgrenzt, hybrid. Der Club wird zur Bühne queerer Mythopoetik. Latex, Netzstrukturen, animalische Silhouetten; alles zirkuliert zwischen Performance, Affekt und Ritual.

In dieser visuell überzeichneten Zone entstehen Bildräume, die weder dokumentarisch noch fiktiv sind. Sie existieren als liminale Fragmente zwischen Sichtbarkeit und Auflösung, Nähe und Unlesbarkeit. Die Serie ist kein Narrativ, sondern ein visuelles Echo eines Zustands.

Stadt. Land. Lichtenberg.

Stadt. Land. Lichtenberg.

Alexander Friedrich

In meiner Kindheit habe ich in Lichtenberg gewohnt. Erst 20 Jahre später bin ich wieder zurück in diesen Bezirk gezogen.

Im ersten Jahr habe ich viele alte Bekanntschaften zufällig auf der Straße in Lichtenberg getroffen – auch meinen damaligen besten Freund und seine Mutter. Sofort habe ich mich heimisch gefühlt. Scheinbar hatte dieser Stadtteil nur auf mich gewartet.

Die Serie „Stadt. Land. Lichtenberg.“ ist deshalb auch ein sehr persönlicher Einblick – ein Erkunden alter Orte. Gibt es diese noch? Oder was ist daraus geworden? Nostalgie und Gegenwart.

Diese Fotoserie will nichts beweisen, sondern zeigt das Miteinander von Alt und Neu, von Stadt und Mensch im Kiez. „Stadt. Land. Lichtenberg.“ ist eine Liebeserklärung.