bleib weg, komm näher

bleib weg, komm näher

Catherina Ebert

Die Serie erkundet das Gefühl, einsam zu sein, obwohl man nicht alleine ist. Gefangen in einem Zustand zwischen Rückzug und Sehnsucht nach Verbindung.

kurze schnelle Schritte

kurze schnelle Schritte

Fidelis Nonnenbroich

Seinem fotografischen Interesse für das Aufeinandertreffen von öffentlichen und politischen Realitäten folgend, lädt Fidelis Nonnenbroich in seiner neuen Serie den Betrachter in die quixotische Welt der Verteidigungskongresse und Militärmessen ein. Ein Raum, in dem die Verteidigung dem Angriff verdächtig ähnlich sieht.

In Liebe, Dein Schatz

In Liebe, Dein Schatz

Melanie del Giudice

Dafür, dass wir alle einmal sterben werden, beschäftigen wir uns erstaunlich wenig damit, was mit uns und unseren Liebsten passiert, wenn es soweit ist. Der Tod ist allgegenwärtig – und zugleich weitgehend unsichtbar. In einer Gesellschaft, die das Leben feiert und auf Produktivität, Jugend und Fortschritt ausgerichtet ist, scheint der Tod keinen Platz zu haben. Er wird aus dem öffentlichen Raum verdrängt, in Institutionen ausgelagert, in Sprache und Bildern beschönigt oder vermieden. Die fotografische Arbeit „In Liebe, Dein Schatz“ setzt genau hier an: Sie sucht den direkten, respektvollen Blick auf den Tod – nicht als Schock, sondern als Teil des Lebens.

“In Liebe, Dein Schatz” ist eine fotografische Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen des Todes und den Menschen, die sich jeden Tag mit ihm umgeben. Es geht ums Hinschauen, ums Nicht-verstecken – und letztlich ums Leben selbst.

Who’s that girl?

Who’s that girl?

Luisa Mielenz

Nachmittage in einem Mädchenfreizeitzentrum in Neukölln – ein offener, geschützter Raum für Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 20 Jahren. Hier entstehen, zwischen Küche und Sofa, Basteltisch und Tanzraum, Nähe und Solidarität. Gespräche über Schule, verknallt sein, Rassismus, Körper und Grenzen. Ein Ort, an dem die Mädchen einfach sein können – laut, ruhig, wütend, müde, neugierig und emanzipiert.

Trotz aller Unterschiede teilen die Mädchen etwas Grundsätzliches: das Bedürfnis nach Selbstbestimmung, Freundschaft, Austausch, Verständnis, nach einem Raum, in dem nichts erklärt oder versteckt werden muss. Ein zweites Zuhause, das Freiraum schafft. Es wird zusammen gespielt, es gibt Koch- und Tanzangebote, Hausaufgabenhilfe und einen Garten, in dem Geburtstage gefeiert werden oder gepicknickt wird.

Die fotografische Arbeit „Who’s that Girl?“ zeigt eine Auswahl an Aufnahmen, die über vier Monate entstanden sind. Wöchentlich konnte ich sie begleiten, den Raum kennen lernen und in verschiedenste Lebensrealitäten eintauchen. Meine Serie versucht die Übergangszeit des „Jugendlich-Seins“ festzuhalten.

sakraler Nachhall

sakraler Nachhall

Kumo Taro

Diese Fotoserie spürt der Präsenz und der Kraft des Klangs in sakralen Räumen nach. Im Mittelpunkt stehen Kirchenglocken. Gewaltige Klangkörper, geschaffen, um Ehrfurcht zu wecken. Als stumme Metallmonolithe erscheinen sie hier in ihrer Ruhe, eingefasst in stählerne Gerüste. Ein Innehalten. Ein Warten.

Auch die stillen Details im Inneren der Glockentürme finden Beachtung: eine einzelne vergessene Taubenfeder, ein Sonnenstrahl, der sich durch das Dunkel schneidet. Solche zarten Momente stehen im Kontrast zur massiven Kälte des Metalls und bringen die Spannung zwischen Stille und Klang zum Ausdruck.

Glocken erklingen nur zu bestimmten, auserwählten Zeiten. Dann durchdringen ihre Stimmen den Raum, sprengen die Grenzen der Architektur und tragen das Sakrale hinaus in die Welt. Diese Fotografien geben Zeugnis von diesem Potenzial. Einer unsichtbaren Kraft, gebannt in der Stille, stets bereit, zu erschallen.

a bag full of stones

a bag full of stones

Flora Wechselberger

Diese Fotoserie beschäftigt sich mit dem Erleben von queeren und FLINTA*-Personen in öffentlichen Räumen. Es geht um Sichtbarkeit, Verletzlichkeit und um die ständige Frage: Bin ich hier sicher?

Was bedeutet es, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, wenn schon die eigene Existenz als Provokation gelesen wird? Warum müssen wir uns schützen, nur weil wir da sind? In einer Zeit, in der queere und feministische Rechte erneut infrage gestellt werden, politisch, gesellschaftlich und medial, zeigt sich: Die Freiheit, einfach zu existieren, ist keine Selbstverständlichkeit.

Für viele von uns sind öffentliche Räume nicht neutral. Sie sind Orte des Aushandelns, der Vorsicht, der Angst. Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, werden schnell zur Projektionsfläche. Für Blicke. Für Kommentare. Für Gewalt.

Es ist eine absurde Realität, dass wir uns überhaupt verteidigen müssen, nicht gegen eine konkrete Bedrohung, sondern gegen alltägliche Präsenz. Alltagsgegenstände werden so zu Symbolen des Selbstschutzes. Sie stehen für eine Welt, in der Sicherheit nicht garantiert wird, sondern selbst organisiert werden muss.

Die bewusste Entscheidung, sich zu zeigen, ist nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Form der Selbstermächtigung. Diese Serie will sichtbar machen, dass wir nicht verschwinden, sondern da sind, und bleiben.